Neue Zürcher Zeitung, 27.10.2000, S. 49

Zürich und Region

su Suter P.

Den Gaumen betörend - das Budget zerstörend /In Zürich getroffen: weisse Trüffeln

su. Jetzt im November verströmen sie wieder ihren alles durchdringenden Duft, dem die einen bedingungslos erliegen und der die andern, von Panik ergriffen, in die Flucht schlägt: die weissen Trüffeln, die in schwarzer Nacht unter Ausschluss der Konkurrenz mit Hilfe von Hunden unter Eichen und Linden aus dem Erdreich gegraben werden. René Weber vom gleichnamigen Comestibles-Geschäft an der Forchstrasse 162, der schon seit zehn Jahren von denselben Trüffel-Lieferanten in Alba via Lugano die tollen Knollen bezieht und das Geschäft mit den Diamanten der Küche pflegt, hat am Donnerstag einige Medienvertreter zu einem kurzen Trüffel- Seminar mit Theorie und Praxis eingeladen.

Der aus dem Piemont stammende Trüffel-Experte Silvano Sarra wies darauf hin, dass die begehrten Produkte in Alba und einigen benachbarten Regionen nicht in unendlichen Mengen aus dem Boden zu zaubern sind und dass es deshalb Vertrauenssache ist, wo man die Ware bezieht. Wie er uns wissen liess, werden in dieser Jahreszeit, wenn Horden von Touristen in Alba einfallen, zum Beispiel aus Slowenien Säcke von "Piemonteser" Trüffeln herbeigeschleppt. Und er meinte mit Bedauern, dass auch gute Produkte der Natur eigentlich in (finanzieller) Reichweite aller sein sollten. Und das lässt sich im Hinblick auf die weissen Trüffeln nun seit langem - in besonderem Masse wieder in diesem, von starken Regenfällen beeinträchtigten Jahr - wirklich nicht mehr behaupten: Bei Weber beträgt der Tagespreis gegenwärtig 59 Franken pro 10 Gramm. (Und das ist, wie man zynisch sagen könnte, noch beinahe günstig: Bei Peck in Mailand waren, wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, vor wenigen Tagen 9,8 Millionen Lire (annähernd 8000 Franken) für ein Kilogramm hinzublättern .".".). Die bei Weber in Scheibchen über Risotto und Teigwaren gehobelte Götterspeise rückte jeden Gedanken an das Portemonnaie - Kunststück, wenn man es nicht zu ziehen braucht - in weite Ferne.

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486283, NZZ , 27.10.00; Words: 434

 

 

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